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Geschichte

Der Softwaremarkt ist kurzlebig, und so überrascht es nicht, dass in meinen Archiven zahlreiche Programme liegen, die Sie hier nicht (mehr) herunterladen können. Ob Sie diese Seite hier interessiert, ist fraglich, aber ich hatte einfach den Wunsch, für mich selbst meine Projekte zusammenzufassen, solange ich noch eine Erinnerung daran habe. Drehen wir das Rad also zurück...

In der neunten Schulklasse, man schrieb das Jahr 1995, erstellte ich mein erstes Programm. Es war in einem Pascal-Dialekt verfasst und steuerte einen rein virtuellen Roboter. Die Hardware-Basis bildete ein - übrigens schon damals hoffnungslos veralteter - Schul-PC mit 4 MHz; ohne Festplatte, aber dafür mit gleich zwei 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerken. Auch damit konnte man arbeiten...

Weiter ging es mit der Programmiersprache Basic. Genauer gesagt mit dem ebenfalls veralteten GW-Basic, denn aus unerfindlichen Gründen wurde in meinem Kurs noch nicht das bereits auf dem Markt verfügbare Q-Basic verwendet. Bot Letzteres bereits einen winzigen Hauch von Luxus, so gab es in GW-Basic weder einen brauchbaren Editor noch prozedurale Programmierung, und so hangelte man sich mit GOTO-Anweisungen durchs Leben - und hatte dennoch jede Menge Spaß! Immerhin konnte man mit GW-Basic auch Turtle-Grafik im EGA-Modus darstellen, und ich nutzte diese Möglichkeiten für ein Programm mit grafischem Hauptmenü. Was das Programm genau tat, ist mir leider entfallen, ebenso wie der verschollene Quellcode. Schade.

Damit war die Mittelstufe auch schon beendet, und ich landete im Informatik-Kurs der Stufe 11, wo man uns die DOS-Programmierung mit Turbo Pascal (in aktueller Version, ein Novum!) näherbrachte. Aus dieser Zeit stammt das wohl für jeden Anfänger unvermeidliche Adressenprogramm.

Mein erstes rein privates Projekt sollte den Post-It-Zetteln den Kampf ansagen. NOTE.IT Virtual verwaltete bis zu 24 Notizen mit Terminen, zeigte sie beim Systemstart an und erzeugte auf Wunsch auch eine HTML-Datei, die sich als Windows-Desktop-Hintergrund verwenden ließ. Das Programm wurde stetig verbessert und hatte zuletzt eine mit der Maus bedienbare Oberfläche. Durch dessen Komplexität abgeschreckt, hatte ich dazu nicht einmal Turbo Vision verwendet (das Turbo Pascal beilag), sondern eine eigene Oberflächenbibliothek entwickelt. Ja, als Schüler hatte man Zeit.

Es folgte die erste Team-Entwicklung. Zusammen mit Michael Blum wagte ich mich an ein Programm für den Physikunterricht. Physik für die Stufe 11 berechnete alles, was uns in Stufe 11 im Physik-LK untergekommen war. Dabei war es gleichgültig, welche Werte einer Formel bekannt waren; reichten die angegebenen Daten für eine Lösung aus, wurde sie auch gefunden. Das Programm blieb Zeit seines Lebens eine Beta-Version, obwohl es sehr gut funktionierte. Vermutlich war uns die Integralschachtelung im Programmteil "Energiesatz" einfach zu kritisch...

Allmählich hatte ich eine beachtliche Menge Pascal-Quelltext angesammelt, der für die Schule ab und zu auch ausgedruckt werden musste. Da mir der Ausdruck der Turbo Pascal-IDE nicht gefiel, schrieb ich einen eigenen Druckfilter, der in die IDE eingebunden werden konnte. Ollis Druckfilter veredelte den Ausdruck mit Syntax-Highlighting, Seitenzahlen sowie komplexen Kopf- und Fußzeilen. Da das Programm unter DOS und somit ohne Windows-Druckertreiber lief, musste man allerdings selbst Hand anlegen und in der Konfiguration die passenden Steuercodes des Druckers für Fettschrift, Kursivschrift usw. angeben. Damals standen diese Codes aber auch gottlob noch in den meisten Drucker-Handbüchern!
Meinem Informatik-Lehrer gefielen die Ausdrucke so gut, dass er vorschlug, das gleiche Programm im Kurs noch einmal neu zu entwickeln und danach auf den Schulrechnern zu installieren. Ich lehnte ab - das selbe Programm noch einmal zu schreiben schien mir zu langweilig. Herr Peters war zum Glück nicht beleidigt und stürzte sich und den Kurs stattdessen in HTML und JavaScript.

Unterdessen fand ich die DOS-Fenster unter Windows zunehmend hässlich, und ich begann, mich für Windows-Programmierung zu interessieren. Delphi bot für Pascal-Geübte einen leichten Einsteig, und so portierte ich erst einmal mein altes Tool NOTE.IT Virtual in die Neuzeit. Heraus kam noteit wintual, ein handliches Tray-Programm, mit dem sich die Notizen auch endlich ohne Umwege über den Start eines DOS-Programms ändern ließen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch endlich einen "Vertriebskanal" für meine Programme gefunden und bot eine Webseite mit Downloads an, die ich mit Ulli Meybohms HTML-Editor Phase 5 pflegte. Der Editor gefiel mir sehr gut, aber ich vermisste eine Suchfunktion für SelfHTML, meine bevorzugte HTML-Hilfe. Schnell war das FastHelp Plugin geboren, mit dem sich direkt aus dem Editor heraus SelfHTML und andere HTML-Dokumentationen durchsuchen ließen. Durch die Popularität von Phase 5 stiegen auch die Besucherzahlen auf meiner Webseite rapide an.

Enthusiastisch begann ich das zweite und letzte Projekt dieser Art: das AutoAdd Plugin. Mein damaliges Webseiten-Design sah u.a. abwechselnd gefärbte Tabellenzeilen vor, was nur per Handarbeit zu erreichen war. AutoAdd löste das Problem, indem es ausgewählten HTML-Tags automatisch Attribute hinzufügte, wahlweise auch nur in Intervallen. Offenbar hatten viele andere Leute ähnliche Probleme, jedenfalls schlug AutoAdd das FastHelp-Plugin auf der Beliebtheits-Skala deutlich und blieb lange Zeit mein absoluter Download-Hit, sicherlich auch weil weitere Freeware-HTML-Editoren Ulli Meybohms Plugin-Schnittstelle unterstützten.

Genau diese Schnittstelle mit ihren eingeschränkten Möglichkeiten reichte mir aber irgendwann nicht mehr aus. Ich entwickelte eine erweiterte Version, die EPS (Erweiterte Plugin-Schnittstelle). Ulli Meybohm war nicht interessiert, wohl aber Tobias Amslinger und Jan Uhlenbrok, die mit HTML Suite 2000 bzw. Scribe! ebenfalls an kostenlosen HTML-Editoren arbeiteten. Gemeinsam mit Tobias schuf ich das EPS-EPDK, ein komplettes Paket für Entwickler. Neben der Dokumentation enthielt es eine Delphi-Komponente zur direkten Verwendung im HTML-Editor, Beispiel-Plugins für Delphi und C++, Logos und schließlich den Plugin Installer, der Plugins in einen kleinen grafischen Installer einpackte und die Plugin-Verzeichnisse mehrerer HTML-Editoren automatisch bestimmen konnte. Das Projekt war ehrgeizig - und verlief nach Veröffentlichung des EPDK dennoch im Sande. Sowohl Tobias als auch Jan gaben die Entwicklung ihrer Editoren auf, und außer mir und Tobias hatte auch niemand ein Plugin für die neue Schnittstelle im Angebot.

Auch meine Schule hatte inzwischen eine Webseite, und man kam auf die Idee, dort ein Verzeichnis ehemaliger Schüler nebst Kontaktadressen aufzubauen. Eine vollständige Speicherung der teilweise als privat markierten Daten direkt auf dem Webserver kam aus Datenschutzgründen nicht in Frage, die Offline-Verwaltung verlangte aber nach einem passenden Programm. Ich war Mitglied der Homepage-AG und entwickelte Ehemaligen-Verwaltung, eine Mini-Datenbank für ehemalige Schüler. Das Programm generierte Webseiten mit zur Veröffentlichung freigegebenen Daten und versendete personalisierte E-Mail-Newsletter sowie Benachrichtigungsmails für neue oder geänderte Einträge.
Mittlerweile hat meine Schule den Datenschutz scheinbar anders ausgelegt und verfügt nun doch über eine Online-Datenbank.

Ich machte Abitur und verließ die Schule. In der Zeit zwischen Schule und Studium hatte ich nicht sehr viel zu tun, und so programmierte ich weiter.

Mein ehemaliger Schulkamerad Frederic Hemberger schrieb ebenfalls hin und wieder ein Programm. Nun wollte er einen Programmstarter für den Tray-Bereich entwickeln, kämpfte als Delphi-Neuling aber mit Problemen und bat mich um Rat. Ich erstellte ein einfaches Gerüst für die Anwendung und übergab ihm danach die Entwicklung. Allerdings hatte es auch mich "gepackt", und so trieb ich meine Version ebenfalls voran. QuickLaunch war geboren. Einige Monate später sah Frederic meine Variante, war offenbar recht angetan und übergab mir seinen Quellcode wieder. Ich übernahm die Funktionen, die meiner Variante fehlten, und veröffentlichte das Programm endlich.

Aus der selben Zeit stammen auch meine Mini-Tools Timestamp und CD-Reminder, deren einzige Aufgabe es war, Zeitstempel von Dateien zu ändern und auf fehlende CD-ROMs in Laufwerken hinzuweisen. Sie wurden veröffentlicht, fanden aber (wenig überraschend) nicht allzu viele Anhänger.

 

Ich nahm das Studium der Informatik auf, und recht bald danach kam ich in den Genuss eines volumenbasierten Internetzugangs. ICQ erschien reizvoll, aber es gab irgendein Problem. Die Lösung war das kurzlebigste Programm meiner Laufbahn: der ofMessenger. Es handelte sich um ein Instant-Mail-System, das serverseitig mit einem einfachen HTTP-Server mit PHP auskam und nichts weiter konnte als Nachrichten direkt von Teilnehmer zu Teilnehmer zu senden. Immerhin lernte ich dadurch etwas über TCP/IP. Das Programm funktionierte und wurde in meinem Freundeskreis auch genutzt. Recht bald löste sich das ICQ-Problem aber in Luft auf, und ofMessenger wurde eingestampft.

Das Studium tat meiner Programmier-Lust keinen Abbruch - der eher trockene Stoff forderte geradezu nach etwas praktischer Abwechslung.

Fortsetzung folgt...

Copyright © Oliver Frietsch 1999-2010 Letzte Änderung dieser Unterseite: 04.08.2009